Der Mantel der Nächstenliebe PDF Drucken
Freitag, den 21. Dezember 2012 um 01:23 Uhr

In vielen Tageszeitungen und elektronischen Medien der Bundesrepublik laufen derzeit Hilfsaktionen für Arme und Arbeitslose, für alte und erkrankte Menschen, für Kinder.

Weihnachtszeit, das bedeutet: Deutschland hilft, auch durch ganze Artikelserien in seinen Regionalblättern. In vielen Tageszeitungen der Bundesrepublik laufen derzeit Hilfsaktionen für Arme und Arbeitslose, für alte und erkrankte Menschen.

Was da gespendet wird, an Geldbeträgen oder an Kinderspielzeug und Kleidung, an Esswaren und Süßigkeiten, das kommt bei den Hilfsbedürftigen zumeist auch an – im doppelten Wortsinn (lassen wir mal die Frage beiseite - auch nicht ganz unwichtig! -, wer den Kreis der Menschen ausgewählt hat, die Hilfe erhalten, nach welchen Kriterien das geschah, welche Zufälligkeiten also im Spiel sind und welche Willkür da regiert!).

 

In der Berichterstattung findet die Hilfsbedürftigkeit dergestalt statt, dass den bedürftigen Menschen just zur Adventszeit geholfen wird, weil durch Krankheit die Arbeitslosigkeit hervorgerufen wurde, oder weil durch Insolvenz der Arbeitsplatz weggefallen ist oder weil die Altersarmut heute schon erbärmlich greift.

Diese Weihnachtsgaben gleichen Eintagsfliegen, diese Hilfen sind vor allem deshalb erforderlich, weil der Sozialstaat ihnen gegenüber versagt.

Dieses aber wird ausgeblendet, das ist nicht Bestandteil der Berichterstattung mit einem eventuellen Hinweis darauf, dass der Sozialstaat im Sinne des Artikel 20 Grundgesetz so gar nicht mehr existiert. Soll heißen, so sind die Lebensumstände, hat man halt Pech gehabt. Wie sich die politischen Hintergründe für die Hilfebedürftigkeit darstellen, wird, wie vorher gesagt, ausgeblendet. Oder wo ist der sog. Sozialstaat, der in seinem Regelsatz „nur“ zu Weihnachten den Bedürftigen keine Geschenke gönnt.

 

Der Wissenschaftsjournalist Holdger Platta spricht davon, „was als Hilfe und Hilfsbereitschaft imponiert, weist zurück auf eine mittlerweile rundum verrohte Politik” , und weiter, „diese karitative Hilfsbereitschaft ist gleichzeitig Ausdruck eines politischen Hilfeboykotts”.

 

Um mit Bert Brecht (leicht abgewandelt für diese Weihnachtsgabenaktionen) zu sprechen:

Großartig das Land, das solche Hilfsbereitschaft kennt! 

Schande über ein Land, das solche Hilfsbereitschaft braucht!


 

Powered by Joomla!.